klühs notar

Überleitung einer Maklercourtageverpflichtung auf den vorkaufsberechtigten Mieter

In Zeiten von knappem Wohnraum in Ballungsgebieten ist für betroffene Mieter, deren Wohnung in Wohnungseigentum umgewandelt und anschließend veräußert wurde, weiterhin attraktiv das ihnen zustehende gesetzlichen Mieterverkaufsrecht in Anspruch zu nehmen. Gerade für den Käufer der Immobilie ist die Unsicherheit über die Ausübung des Mietervorkaufsrecht eine erhebliche Belastung. Jedenfalls möchte er aber eine vertragliche Vorsorge für den Fall der Ausübung, sodass ihm dann sämtliche Kosten und Auslagen ersetzt bzw. diese von vorneherein auf den Mieter übergeleitet werden. Unproblematisch sind in diesem Zusammenhang die Rückzahlung der geleisteten Grunderwerbsteuer durch das Finanzamt (§ 16 Abs. 1 GrEStG) sowie die Erstattung angefallener Notar- und Gerichtsgebühren durch den Mieter. Zu differenzieren ist dagegen bei einer vertraglich geschuldeten Maklerprovision.

Rücktritt lässt Maklerprovision unberührt

Die Ausübung des Mietervorkaufsrechts hat regelmäßig zur Folge, dass der Verkäufer zur Meidung einer Haftung für zwei Verkaufsverpflichtungen vom ursprünglichen Kaufvertrag zurücktritt. Der Provisionsanspruch des Maklers wird jedoch durch weder durch die Ausübung des Mietervorkaufsrechts, noch durch den darauffolgenden vertraglich oder gesetzlich erklärten Rücktritt berührt. Somit sind hier zum Schutz des Käufers vertragliche Vorkehrungen erforderlich. Zu deren Ausgestaltung hat kürzlich das Kammergericht Berlin (Urteil vom 27.04.2023, Az. 10 U 80/22) Stellung genommen. Der Mieter hatte sein Mietervorkaufsrecht ausgeübt. Der Erstkäufer klagte gegen den Mieter auf Erstattung der von ihm an die Maklerin geleiteten Provision. Im Kaufvertrag war einerseits eine Maklerklausel enthalten, die für die Maklerin, ein eigenes Forderungsrecht gemäß § 328 Abs. 1 BGB auf Zahlung einer Maklerprovision in Höhe von 6% des Netto-Kaufpreises zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer begründete. Andererseits sollte der Mieter im Fall der Ausübung seines Vorkaufsrechts zur Freistellung bzw. Zahlung von Forderungen des Maklers an den Erstkäufer verpflichtet sein.

Anspruch der Maklerin aus der konstitutiven Maklerklausel

Das Kammergericht machte zunächst Ausführungen zu der im Kaufvertrag enthaltenen Freistellungs- bzw. Zahlungsverpflichtung des Mieters. Diese stellte sich als ein unzulässiger Vertrag zu Lasten Dritter (des Mieters) dar. Aufgrund der vertraglich vereinbarten konstitutiven Maklerklausel konnte die Maklerin und nach der Abtretung des Provisionsanspruchs auch der Kläger jedoch vom Mieter die Zahlung der Courtage verlangen.  Der Mieter habe durch die Vorkaufsrechtsausübung einen selbständigen Kaufvertrag zu den gleichen Bedingungen geschlossen, wie sie zwischen dem Verpflichteten (Verkäufer) und dem Kläger (Erstkäufer) vereinbart gewesen seien. Er sei daher nicht nur verpflichtet, den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen, sondern alle Leistungen zu erbringen, die der Erstkäufer nach dem Kaufvertrag hätte erbringen müssen; dies umfasse auch die Zahlung der Maklerprovision.

Konstitutive Maklerklausel kein unzulässiger Fremdkörper

Schließlich könnten konstitutive Maklerklauseln in der Regel nicht als „Fremdkörper“ im Kaufvertrag angesehen werden, wenn sich diese Kosten im üblichen Rahmen hielten; dann gehörten sie vielmehr normalerweise wesensmäßig zum Kaufvertrag. Das war vorliegend der Fall, weil für die Provisionsansprüche eine maklervertragliche Rechtsgrundlage bestand und die vereinbarte Provision von 6% des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer marktüblich war.

Fazit

Dieser Fall zeigt exemplarisch, dass bei drohender Ausübung eines Mietervorkaufsrechts zum Schutz des Ersterwerbers vor den entstandenen Courtageansprüchen des Maklers, statt der sonst üblichen deklaratorischen, eine konstitutive Maklerklausel in den Kaufvertrag aufgenommen werden sollte. Der Notar dürfte die Beteiligten in diesem Zusammenhang jedoch darauf hinweisen, dass diese Klausel den kostenrechtlichen Geschäftswert der Urkunde erhöht und daher zu einer Gebührensteigerung führen kann. 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann sprechen Sie meine Mitarbeiter oder mich gerne an.

Dr. Hannes Klühs

20 Okt., 2023

Weitere Themen

Nachfolgeplanung und Vorsorge
Das „Württemberger Modell“ auf dem Prüfstand

Das „Württemberger Modell“ auf dem Prüfstand

In der Nachfolgeplanung stehen Ehegatten oft vor einem Dilemma: Wie sichert man den überlebenden Partner bestmöglich ab, ohne das Familienvermögen – insbesondere Immobilien – durch mehrfache Erbschaftsteuerzahlungen zu belasten? Eine in der notariellen Praxis bewährte, aber rechtlich anspruchsvolle Lösung ist das sogenannte „Württemberger Modell“ (oder Württemberger Testament).

Mehr

Allgemein
§ 878 BGB bei Teilungsantrag vor Inkrafttreten einer Umwandlungsverordnung i.S.v. § 250 BauGB

§ 878 BGB bei Teilungsantrag vor Inkrafttreten einer Umwandlungsverordnung i.S.v. § 250 BauGB

Bei jeder Umwandlungsverordnung im Sinne von § 250 BauGB beginnt der „Wettlauf gegen die Zeit“: Eigentümer versuchen, ihre Teilungserklärungen noch vor Inkrafttreten der jeweiligen Landesverordnungen beim Grundbuchamt einzureichen. Lange war umstritten, ob der Schutz des § 878 BGB greift, wenn die Verordnung erst nach der Antragstellung wirksam wird. Nun liegt die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Beschl. v. 17.09.2025 – V ZB 22/24) vor.

Mehr

ImmobilienrechtSteuerrecht
BFH-Urteil vom 07.10.2025: Keine Null-Bodenwert AfA bei Denkmalimmobilien

BFH-Urteil vom 07.10.2025: Keine Null-Bodenwert AfA bei Denkmalimmobilien

Die steuerliche Abschreibung (AfA) ist für Immobilieninvestoren einer der wichtigsten Hebel. Da nur das Gebäude, nicht aber der Grund und Boden abgeschrieben werden kann, ist die Aufteilung des Gesamtkaufpreises oft ein Streitpunkt mit dem Finanzamt. Das aktuelle Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 07.10.2025 (IX R 26/24) sorgt nun für Klarheit – insbesondere bei denkmalgeschützten Objekten.

Mehr

ImmobilienrechtNachfolgeplanung und Vorsorge
Anlaufen der Zehnjahresfrist bei Vorbehalt einer Leibrente

Anlaufen der Zehnjahresfrist bei Vorbehalt einer Leibrente

Ein aktuelles Urteil des OLG Nürnberg (v. 27.6.2025 – 1 U 1335/24) sorgt für Unruhe in der Erbrechtspraxis. Es geht um die zentrale Frage des Pflichtteilsergänzungsrechts: Wann beginnt die Zehnjahresfrist des § 2325 Abs. 3 BGB zu laufen, wenn sich der Schenker einer vermieteten Immobilie anstelle eines Nießbrauchs eine Leibrente in Höhe der Mieterträge vorbehält?

Mehr

Allgemein
Aufgelassene Grundstücke zählen für die Notarkostenberechnung nicht mehr zum Vermögen

Aufgelassene Grundstücke zählen für die Notarkostenberechnung nicht mehr zum Vermögen

Die richtige Reihenfolge der Beurkundungen kann maßgeblich sein für die Notarkosten. Ein aktueller Fall des OLG Frankfurt am Main betraf die Frage, ob bei der Beurkundung einer General- und Vorsorgevollmacht Grundstücksvermögen berücksichtigt werden muss, das zum Zeitpunkt der Vollmachtserrichtung bereits aufgelassen – also durch einen zuvor beurkundeten Übertragungsvertrag disponiert – war.

Mehr

ImmobilienrechtNachfolgeplanung und Vorsorge
Vertretungsausschluss bei Vermögensübertragungen auf Minderjährige: OLG Düsseldorf folgt neuer BGH-Linie

Vertretungsausschluss bei Vermögensübertragungen auf Minderjährige: OLG Düsseldorf folgt neuer BGH-Linie

Wenn Eltern ihre minderjährigen Kinder bei Rechtsgeschäften vertreten, sieht §§ 1629 Abs.2, 1824 Abs. 1 Nr. 1 BGB einen Ausschluss vor, sobald es um ein Geschäft mit Verwandten in gerader Linie geht.Über Jahrzehnte war es herrschende Meinung, dass dieser Ausschluss eines Elternteils, sich auch auf das andere Elternteil erstreckt. Der Bundesgerichtshof hat diese starre Sichtweise 2021 aufgebrochen.

Mehr

AllgemeinImmobilienrechtSteuerrecht
Spekulationsteuer bei teilentgeltlicher Grundstücksübertragung

Spekulationsteuer bei teilentgeltlicher Grundstücksübertragung

Bei einem Verkauf einer fremdgenutzten Immobilie innerhalb von 10 Jahren ist der Hinwies auf die Gefahr einer Gewinnbesteuerung gemäß § 23 EStG obligatorisch. Weniger eindeutig ist eine derartige Steuer allerdings, wenn ein Grundbesitz ohne die Zahlung eines Kaufpreises innerhalb der Familie übertragen wird.  Für diese Fallkonstellation hat nun der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil (v. 11.03.2025, Az. IX R 17/24) an seine Grundsätze zur sog. Trennungstheorie erinnert.

Mehr

Immobilienrecht
Fertigstellungsrate im Bauträgervertrag wird mit Abnahme fällig

Fertigstellungsrate im Bauträgervertrag wird mit Abnahme fällig

Die Schlussrate nach der Makler- und Bauträgerverordnung, häufig auch als „Fertigstellungsrate“ bezeichnet, sorgt in der Praxis des Bauträgervertrags seit jeher für Diskussionen. Denn während der Gesetzgeber von der „vollständigen Fertigstellung“ spricht, bleibt die Frage offen, ob damit tatsächlich eine mängelfreie Herstellung gemeint ist oder ob es auf die Abnahmereife ankommt, d.h. ob unwesentliche Mängel nicht entgegenstehen.

Mehr

ImmobilienrechtSteuerrecht
Doppelte Festsetzung von Grunderwerbsteuer für den Erwerb von Gesellschaftsanteilen beim Auseinanderfallen von Signing und Closing – BFH-Beschluss vom 09.07.2025 – II B 13/25

Doppelte Festsetzung von Grunderwerbsteuer für den Erwerb von Gesellschaftsanteilen beim Auseinanderfallen von Signing und Closing – BFH-Beschluss vom 09.07.2025 – II B 13/25

Share Deal Transaktionen, bei denen Anteile an grundbesitzenden Kapitalgesellschaften erworben werden, erfolgen häufig in zeitlicher Hinsicht durch ein „Signing“ und ein zeitlich danach stattfindendes „Closing“. Hier kam es in der Vergangenheit aufgrund der Rechtsauffassung der Finanzverwaltung nicht selten zu einer doppelten Erhebung von Grunderwerbsteuer. Zu dieser Rechtspraxis hat nun erstmals der BFH Stellung bezogen.

Mehr

Immobilienrecht
Pflicht zur Offenbarung der Kenntnis über die Ausübung eines Vorkaufsrechts

Pflicht zur Offenbarung der Kenntnis über die Ausübung eines Vorkaufsrechts

Gesetzliche Vorkaufsrechte der Gemeinde sorgen bei ihrer Ausübung regelmäßig für großen Frust und Schäden auf der Käuferseite, insbesondere wenn der Kaufpreis finanziert wird. Das OLG Hamburg hatte nun darüber zu entscheiden, ob ein Verkäufer von Immobilien, der bereits Kenntnis von der Ausübung eines gemeindlichen Vorkaufsrechts Dritten hatte, diese Information dem Notar und dem ursprünglichen Käufer offenbaren muss, bevor der Kaufvertrag beurkundet wird.

Mehr